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auch Pferde benötigen ein stabiles Immunsystem, um unbeschadet durch die düstere und nasskalte Jahreszeit zu kommen. Erkrankungen der Atemwege sind, neben den Koliken, die häufigsten inneren Erkrankungen beim Pferd. Dabei sollte man auch den „leichten“ Husten oder das „bisschen“ Nasenausfluss nicht auf die leichte Schulter nehmen. Bei allen Atemwegsproblemen besteht sofortiger Handlungsbedarf Tritt als Komplikation eine bakterielle Sekundärinfektion ein, kann es zu schwersten Folgeerscheinungen kommen, insbesondere zur chronischen obstruktiven Lungenerkrankung oder dem Krankheitskomplex der Dämpfigkeit. Die Ursachen für Atemwegserkrankungen sind vielfältig. Grundsätzlich unterschieden wird zwischen einer monokausalen und einer multikausalen Krankheitsform.
Die monokausale Form wird durch einen bakteriellen oder viralen Einzelerreger verursacht. Die bekanntesten Erreger sind zum Beispiel die Influenza- oder Herpesviren und das Bakterium streptococcus equi, der Erreger der Druse. Wichtigstes Merkmal der monokausalen Krankheitsform ist der seuchenhafte Verlauf:
Am ersten Tag hat nur ein Pferd im Stall Husten und Fieber, am nächsten Tag ist bereits der halbe Bestand betroffen. Monokausale Atemwegserkrankungen gehen meist einher mit erhöhter Atemfrequenz, deutlich verschärfter Atmung und hohem Fieber. Schutz vor schweren Verlaufsformn von Herpes oder Influenza bietet nur ein ausreichender Impfschutz des gesamten Bestandes. Tritt Influenza oder Herpes in einem Betrieb auf, erkranken auch gelegentlich geimpfte Pferde, allerdings mit einer sehr viel milderen Verlaufsform und geringerer Neigung zu Sekundärinfektionen, als ungeimpfte Tiere.
Während ein nicht geimpftes Pferd bei einer Influenza ungefähr zwölf bis 14 Tage intensiv tierärztlich versorgt werden muss, dauert die Pferde in der Regel nicht länger als zwei bis drei Tage.
Die multikausale Form der Atemwegserkrankung entsteht häufig durch eine generelle Schwächung des Immunsystems oder durch sogenannte Mischinfektionen. Oft beginnt die Erkrankung mit einem Katarrh der oberen Atemwege. Gerade im Winterhalbjahr sind die Atemwege der Pferde durch die veränderten Haltungsbedingungen besonders anfällig. Die Stallluft enthält nicht nur eine höhere Schadgaskonzentration, sie ist durch Einstreu und Raufutter auch belastet mit Staub und Pilzsporen. Zusätzlich ist bei der üblichen Boxenhaltung die Bewegung des Pferdes stark eingeschränkt.
Fehlt es an Bewegung, werden die Atemwegs-Schleimhäute schlechter durchblutet, es wird auf den Schleimhäuten weniger Feuchtigkeit gebildet, die natürliche Reinigung der Atemwege wird eingeschränkt. Auch ohne einen spezifischen krankmachenden Keim kommt es in der Folge zu einer allergisch entzündlichen Reaktion der Atemwege. Die multikausale Form verläuft meist ohne Fieber, klassisch ist der harte kläffende Husten und eitriger Nasenausfluss. Auch bei einer leichten Verlaufsform sollte unbedingt eine tierärztliche Behandlung erfolgen, um Sekundärinfektionen auszuschließen. Die Therapie besteht zuerst aus der Steigerung der körpereigenen Abwehr und der Gabe von Schleimlösern. Ist das Pferd fieberfrei, ist es sinnvoll leichte Bewegung zu ermöglichen, um eine bessere Schleimlösung zu gewährleisten. Bleibt ein Katarrh der oberen Atemwege unbehandelt, kommt es zu schwereren Verlaufsformen. Die tiefen Atemwege werden betroffen, die Schleimbildung verlagert sich bis in den Bereich der Bronchien und Bronchiolen. Oft tritt nun zusätzlich einer fiebrige Infektion auf.
Wird nicht umgehend eine antibiotische Behandlung eingeleitet, kommt es zu chronischen Schäden der Atemwege. Der Gasaustausch in der Lunge wird durch massive Eiteransammlungen gestört, es kommt zur chronischen obstruktiven Bronchitis und damit zu einer deutlichen Leistungseinschränkung des Pferdes bis hin zur vollständigen Unbrauchbarkeit.
Zu den wichtigsten Grundvoraussetzungen für den Schutz vor Atemwegserkrankungen gehört, neben ausreichendem Impfschutz, ein gesundes Stallklima. Einwandfreie Hygiene muss selbstverständlich sein, zusätzlich sollte der Stall gut ventiliert, staub- und zugfrei sowie trocken sein. Die Stall-Temperatur sollte der Außen-Temperatur folgen. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte im Stall zwischen 60 und 80% liegen. Kontrolliert werden kann dieser Wert mit einem Hygrometer, der in jedem Baumarkt erhältlich ist. Durch zu hohe Luftfeuchtigkeit wird die Vermehrung von Krankheitserregern, Schimmelpilzen und Parasiten begünstigt. Trockene Luft begünstigt die Staubbildung, trocknet die Schleimhäute der Atemwege aus und macht sie somit anfälliger für das Eindringen von Krankheitserregern.
Besonders schädlich für die Atemwege ist ein feuchtwarmes Klima im Stall, welches gerade dann entsteht, wenn zu viele Pferde auf zu wenig Raum aufgestallt sind. Die Richtwerte für den Flächen- bzw. Raumbedarf des Pferdes sollten stets beachtet werden. Ein 600 kg schweres Pferd braucht ca. 215 Kubikmeter Frischluft pro Stunde. Ist die Frischluftzufuhr nicht gewährleistet, steigt der CO2-Gehalt in der Stallluft an, in der Folge manifestieren sich Atembeschwerden beim Pferd. Die immer populärer werdenden Kaltställe führen in Hinblick auf Luft und Temperatur in keiner Jahreszeit zu Schwierigkeiten. Wenn gewährleistet ist, dass die Pferde trocken und zugfrei stehen, wird Pferden in der Regel nicht zu kalt. Im Gegenteil, Pferde, die im Kaltstall gehalten werden, haben weitaus seltener mit Atemwegsproblemen zu kämpfen, als ihre Artgenos sen im Warmstall.
Der überwiegend grösste Anteil an Atemwegserkrankungen wird durch belastete Stallluft übertragen. Gut gemeint aber häufig sinnlos, sind somit auch die Bemühungen einiger Pferdebesitzer ihre Vierbeiner durch das Verpacken in dicke Decken vor der Winterkälte zu schützen. Sicher suggeriert einem die Werbung, dass das eigene Pferd ohne wind- und wasserfeste und atmungsaktive Hightech-Decke geradezu zwangsläufig erkranken muss, Fakt ist aber, dass nur wenige Pferde den Schutz einer Decke tatsächlich benötigen. Selbstverständlich sollten geschorene Pferde eingedeckt werden, genauso kann eine Decke sinnvoll sein bei nierenempfindlichen Pferden, bei Ekzemern oder bei kranken und alten Pferden mit gestörter Immunabwehr.
Ein gesundes Pferd mit gesundem Haarkleid benötigt keine wie auch immer geartete Decke. Der Haarwuchs orientiert sich an den vorherrschenden Temperaturen, das Winterfell schützt die Pferde ausreichend vor Kälte.
Ist es trotz aller Bemühungen zu einer Infektion der Atemwege des Pferdes gekommen, hilft nur eine individuelle, meist antibiotische Behandlung durch den Tierarzt. Auf jeden Fall sollte die Behandlung so lange durchgehalten werden, bis das Pferd gänzlich frei von Beschwerden ist, andernfalls drohen chronische Krankheitsverläufe mit irreversiblen Spätschäden.
Zusätzlich zu der tierärztlichen Betreuung kann man als Pferdehalter jedoch versuchen, die Abwehrkräfte des Pferdes ein wenig zu unterstützen. Neben den gängigen Vitamin- und Mineralprodukten kann man Heilkräutermischungen für Pferde dem Futter zusetzen.
Sinnvoll wären z.B. Heilkräuter wie Brennnessel, Sonnenhut oder Hagebutte, einige Hersteller bieten spezielle Kräutermischungen für Atemwegserkrankungen an, die aus Huflattich, Salbei, Süßholz, Fichtennadeln,Anis und Thymian bestehen. Bei stark staubempfindlichen Pferden sollte Silage statt Heu gefüttert werden, bewährt hat sich auch die Fütterung von Mash oder das Vermischen des Kraftfutters mit Apfelessig.
Petra Wolf
aus Pferde und Sport 2007
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