Ponys und Pferde
Verband der Pony- und
Pferdezüchter Hessen e.V.
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VERBAND
Jahresbericht 2010
Jahresbericht über das Geschäftsjahr 2010
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Pony- und Pferdezucht aus Leidenschaft

Sehr verehrte Züchterinnen und Züchter, meine Damen und Herren,

Pony- und Pferdezucht aus Leidenschaft“, unter diesem Motto betreiben wir seit mehr als 60 Jahren eine erfolgreiche, konsolidierte Pony- und Pferdezucht. Auf dieser Basis bemühen wir uns ständig die Zucht zu verbessern und fortzuentwickeln.

Das Jahr 2011 ist erst knapp drei Monate alt. Seit Beginn des neuen Jahres steht nicht nur eine neue Jahreszahl im Kalender, wir treten auch in ein neues Jahrzehnt ein, in das zweite nach der Jahrtausendwende.

Vorsitzender Kurt Hillnhütter

2010 gab es Höhen und Tiefen. Nach einer guten Heuperiode spielte das Wetter viele Kapriolen und brachte der Landwirtschaft in der Erntezeit nur bedingt gutes Wetter. Zum Jahreswechsel 2010/2011 hatten wir dann anscheinend für die Weihnachtszeit viel Schnee und Frost bestellt und bekamen hiervon überaus reichlich.

Nur einige Fjordpferdezüchter nutzten die kalte Jahreszeit um mit einer gut einstudierten Fahrquadrille im Oman und zu Ehren des 70. Geburtstages und dem 40. Regierungsjahr des Sultans Kabus Ibn Said dort gemeinsam mit vielen anderen Pferde- und Kamelrassen aufzutreten. Ein Erlebnis, das sicherlich noch Jahre später bei allen Beteiligten für Gesprächsstoff sorgen wird. Von Verbandsseite gratulieren wir der Fahrergruppe sehr herzlich für dieses Engagement. Einige Fjordpferde aus hessischer Zucht blieben vor Ort und bereichern jetzt auch den Oman.

Entsprechend unserer Satzung tagte der Vorstand mehrmals und auch unter Einbindung der Zuchtausschussmitglieder.

Unser Zuchtjahr begannen wir wie immer mit der Frühjahrskörung in Alsfeld, einer attraktiven Hengstschau und leiteten dann nahtlos über zu den über ganz Hessen verteilten traditionellen Zuchtschauen. Neben diesen normalen Routineveranstaltungen, wie Leistungsprüfungen, Stutbucheintragungen und Fohlenschauen, lag der Höhepunkt in 2010 bei unserer nur alle vier Jahre durchgeführten Elitestutenschau in Alsfeld-Eifa, mit mehr als 160 gemeldeten Stuten.

Die geladenen Zuchtrichterkollegen aus den Nachbarzuchtgebieten betonten die gute und solide Qualität der verschiedenen Rassen und alle Aussteller nahmen dankbar die positiven Benotungen der Richter zur Kenntnis.

Ab Mitte des vergangenen Jahres prognostizierten die Wirtschaftsweisen ein allgemeines Wirtschaftswachstum. Dies dürfte aber für die Zuchtentscheidung unserer Züchter zum damaligen Zeitpunkt zu spät gekommen sein. Im Gegensatz zu den jetzigen Aussagen aus Bund und den Ländern, spricht die Industrie aber von einem eindeutigen Aufschwung. Hoffen wir somit auch auf positive Zuchtentscheidungen unserer Züchter im Jahre 2011. Auch unser Verband dürfte von der wirtschaftlichen Lage abhängig sein.

In Fortführung der Informationen aus den Vorjahren möchte ich Ihnen nur ein paar Zahlen benennen. Unsere Mitgliederzahlen und die Zuchtdaten haben sich leider weiter negativ entwickelt. Dieser schleichende Rückgang beunruhigt sehr. Es hilft uns nicht, wenn dieser Trend auch durch die FN und anderen Verbänden bestätigt wird.

Aktuell sind in unserem Verband 1.636 Mitglieder und 3.420 Zuchttiere (2.954 Stuten, 466 Hengste und 1.009 Fohlen) registriert. Die graphische Darstellung verdeutlicht vielleicht besser, wie sich der Verband entwickelt hat.

Die Rassenanteile der verschiedenen Rassegruppen haben sich gegenüber dem Vorjahr nur unwesentlich verändert. Nach wie vor nimmt die Rassegruppe Isländer mit 37 % und damit bedeutend an unserem Zuchtgeschehen teil.

Erfreut durften wir weitere Rassegruppen in unserem Verband begrüßen (z.B. Berber, Criollo, Polopferde usw.). Nach wie vor sind uns weitere Rassen stets willkommen.

Unsere neue EDV gestattet einen besseren Zugriff auf statistische Daten, die es uns ermöglichen auch Aussagen über die Altersstruktur und den durchschnittlichen Zuchtstutenbestand unserer Mitglieder zu gewinnen. Danach besitzen ca. 61 % unserer Mitglieder 1 bis 3 Zuchttiere. 59 % unserer Züchter haben ein Alter zwischen 31 und 60 Jahren erreicht.

Die Veröffentlichungen der FN Abteilung Sport über die vielen Erfolge der Reitponyrassen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass in unserem Verband nach wie vor der Anteil der Robustpferderassen bei fast 60 % liegt. Alle diese Züchter und Halter sind überwiegend freizeitorientiert und messen sich nur bedingt in sportlichen Wettbewerben. Dies wird, so meine ich, in vielen Fällen vergessen. Wir sollten mehr als bisher und verstärkt auf die robuste, umweltfreundliche Haltung unserer vielen Ponyrassen aufmerksam machen.

Die meisten Züchter streben keine Fohlengeburten zum Januar oder Februar an, sondern warten auf das beginnende Frühjahr. Erst dann hat das Fohlen auf der Weide genügend Bewegung und die Stute bekommt mit dem frischen Grün ein Nahrungsangebot, welches dem Fohlen über die Stutenmilch zur Verfügung steht.

Die Hitliste auf der Basis FN Jahrbuch Zucht aus 2009 zeigt unseren Verband bundesweit nach wie vor an zweiter Stelle. Einschränkend muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass in der Summe von 2007 zu 2009 bundesweit ein Rückgang von 5,8 % und im Vergleich dazu in Hessen von 2,9 % zu verzeichnen ist. Nach den neuesten Zahlen der FN ist ein weiterer Rückgang von ca. 4,5% 2010 zu registrieren. Die Summe der eingetragenen Stuten betrug 2009 26.586 und 2010 25.434 Tiere.

Nachdem die Transponderkennzeichnung ab Juli 2009 verpflichtend vorgeschrieben wurde, mussten wir mit großem administrativem Aufwand alle Fohlen und Pferde 2010 registrieren bzw. chippen.

Es wird für den Verband nicht einfacher, wenn für die Erstellung eines Equidenpasses vorher die persönliche Betriebsnummer und der Abgleich mit der HIT-Datei in Alsfeld notwendig ist. Weiter muss die Registriernummer der ausführende Person, die Chipnummer und die laufende Geburtsnummer eingetragen werden. Ein Verwaltungsaufwand, der in dieser Form vorher nicht notwendig war und heute unsere Geschäftsstelle zusätzlich belastet.

Trotz dieser jetzt europaweit vorgeschriebenen Erfassung aller Equiden werden dann doch noch Pferde importiert, die gebietsweise die infektiöse Anämie einschleppen, wodurch dann bei organisierten Zuchtschauen auch für unseren Verband Probleme beim Auftrieb der Stuten oder Fohlen auftreten.

Ihnen allen wird bekannt sein, dass der Heißbrand bei Pferden verboten werden soll. Dies ist meiner Meinung nach nur noch eine Frage der Zeit. Entsprechende Beschlüsse wurden bereits im Bundesrat gefasst und die Partei der Grünen hat neue Gesetzestexte zur Verabschiedung im Bundestag vorgelegt.

Unser über Jahrzehnte gebrauchtes Brandzeichen dürfte damit der Vergangenheit angehören. Obwohl noch kein Gesetz vorliegt, hat uns das Hessische Ministerium aufgefordert, auf den Heißbrand bereits jetzt zu verzichten.

Professor Dr. Joachim Krieter der Universität Kiel hat vor kurzem neue Verhaltensuntersuchungen mit dem Heißbrand bei Absatzfohlen durchgeführt. Hierbei wurde die Körpertemperatur gemessen, morphologische Untersuchungen durchgeführt und die Infrarot-Thermographie angewendet. Hier sind Temperaturen zwischen 24,5° bis 25,8° C an der Heißbrandstelle gemessen worden. Auch die Herzfrequenz zwischen dem örtliche Scheren und dem eigentlichen Brennvorgang ergab keinen Unterschied. Eine Sequenz über den Brennvorgang kann ab Mitte März im Internet abgerufen werden. Damit werden frühere Gutachten von Prof. Meyer, die die FN initiiert hatte, bestätigt. Ob noch ein Verbot trotz Vorlage von mehr als 25.000 Unterschriften und auch neuer Initiativen durch den Bauernverband aufzuhalten ist, bleibt sehr fraglich.

Verboten sind das Ausrasieren der Pferdeohren und das Entfernen der Tasthaare an Augen und dem Pferdemaul. Entsprechende Anpassungen in unserer Schau- und Körordnung sind in Vorbereitung.

Für eine erfolgreiche Verbandsarbeit ist es notwendig, dass Satzung und Anlagen zur Satzung, hin und wieder den geänderten Gesetzen angepasst werden müssen. Hierüber haben Sie deshalb bei den nachfolgenden Tagesordnungspunkten zu entscheiden.

Da in Zukunft die Abstammung über DNA-Analyse nachgewiesen werden muss, appellieren wir schon jetzt an alle Züchter uns bei dieser Aufgabe positiv zu unterstützen. Einige Rassen schreiben dies bereits heute in ihren Zuchtzielbeschreibungen vor.

In diesem Jahr können wir Florian Solle für eine 20jährige Zusammenarbeit mit unserem Verband beglückwünschen. Er hat in dieser langen Zeit die Anpaarungs-Entscheidungen der Züchterschaft stets konstruktiv begleitet und wir sind froh, dass die Kontinuität der verantwortlichen Personen im Verband und in der Vorstandschaft über viele Jahre gleich geblieben ist, dies dürfte mit ein Grund für die Qualität unseres Verbandes sein. Wir hoffen sehr, dass Herrn Solle auch mit den neuen erweiterten Aufgaben als Leiter des Fachgebietes „Qualitätssicherung und Leistungsermittlung Tier“ im Landgestüt Dillenburg die Zeit bleibt, die notwendig ist, den Verband wie bisher zu betreuen.

Herr Solle, haben Sie vielen herzlichen Dank für Ihre bisher geleistete Arbeit und wir hoffen auf eine weiterhin gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Unser über Jahre gezeigter Einsatz für einen gemeinsamen Körort Alsfeld wird leider von den anderen Verbänden nicht mehr in der bisherigen Form unterstützt. Auf angeblich vielfachen Wunsch der Züchter aus den angrenzenden Zuchtgebieten wurde ein neuer Körort Prussendorf auch für eine Süddeutsche Körung eingerichtet. Nach Aussage der Verantwortlichen, lässt das Interesse der Züchterschaft nach einem süddeutschen Körurteil an nur noch zwei Körorten - Alsfeld und München-Riem - aus Kostengründen nach. Nach Vortrag der örtlichen Zuchtleiter bevorzugen die Züchter den heimischen Verband. Unsere Köraktivitäten in Alsfeld dürften sich somit in Zukunft auf eine eintägige Veranstaltung mit geringerem Auftrieb beschränken.

Verehrte Züchterschaft, 63 Jahre erfolgreiche Verbandsgeschichte liegen hinter uns. Sorgen bereitet uns nach wie vor die Anwerbung neuer und junger Züchter, die wir für unsere Verbandsarbeit, die Pony- und Pferdezucht gewinnen können. Sie wissen um die vielschichtige Interessenlage der jungen Leute. Helfen Sie alle mit, das Interesse an den Pferden zu wecken. Bei der Rassenvielfalt, die unser Verband betreut, ist sicherlich auch für einen Neueinsteiger/in, die für ihn/sie richtige Rasse zu finden.

Nachdem alle Aussagen positive Entwicklungen prognostizieren hoffen auch wir auf ein gutes Zuchtjahr 2011. Das neue Jahrzehnt wartet mit neuen Herausforderungen auf uns, erst recht durch die desaströse EU Entwicklung und den politischen Ereignissen im nordafrikanischen Raum und Nahen Osten. Hoffen wir, dass die prognostizierten positiven Aussagen für 2011 zutreffen und wir im nächsten Jahr auf ein erfolgreiches Zuchtjahr 2011 zurück blicken können.

Zum Schluss bleibt mir nur noch, mich persönlich bei allen Verantwortlichen, den ehrenamtlichen Helfern, bei unseren sehr motivierten Jungzüchtern herzlichst zu bedanken. Der persönliche Einsatz aller Beteiligten über das ganze Jahr hinaus, ist in der heute so materiell eingestellten Umwelt nicht hoch genug einzuschätzen. Ich spreche Ihnen allen dafür meinen persönlichen Dank aus.

Bleiben wir unserem Motto treu: Pony- und Pferdezucht aus Leidenschaft.


Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Kurt Hillnhütter



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